Newsletter November 2019

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

die Sommersaison ist vorbei und auf dem Hof kehrt Stille ein, von der zu profitieren genauso zu den Zielen des Achorvereins gehört wie die Lebendigkeit der Feste und Begegnungen. Der November ist nasskalt wie eh und je - er lädt ein zu Kaminfeuer und Kerzenlicht. Beides brannte auch am 27. Oktober, als wir das Requiem für Norbert feierten. Es war ein inniger Gottesdienst mit wunderschöner Musik und einer trotz aller Traurigkeit frohen Botschaft: Wir können darauf vertrauen, dass nach dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass es es ein Leben bei und mit Gott gibt. Da das Gedenken an die Verstorbenen im November liturgisch fest verankert ist, so an Allerheiligen und Allerseelen, aber auch am 24. November, den wir auf dem Hof ökumenisch als Totensonntag und Christkönigsfest begehen (siehe Kalender), möchte ich an dieser Stelle eine aufschlussreiche Geschichte zum Thema Tod weitergeben, die Sie bis zum Ende durchlesen sollten, wenn Sie die Hoffnung aufschimmern sehen wollen:

 

Die Geschichte von den Wasserkäfern und der Libelle

 

Immer wieder bemerkten die Wasserkäfer jedoch, dass der eine oder andere von ihnen anscheinend das Interesse daran verlor, bei ihnen zu bleiben. Er klammerte sich dann an einen Stängel einer Teichrose und kroch langsam daran empor, bis er verschwunden war. Dann wurde er nie wieder gesehen.

 

Eines Tages, als dies wieder geschah, sagten die Wasserkäfer zueinander: “Da klettert wieder einer unserer Freunde den Stängel empor. Wohin mag er wohl gehen?”

Aber obwohl sie genau zuschauten, entschwand auch dieses Mal der Freund schließlich aus ihren Augen. Die Zurückgebliebenen warteten noch eine lange Zeit, aber er kam nicht zurück.


“Ist das nicht merkwürdig?”, sagte der erste Wasserkäfer.
“War er denn hier nicht glücklich bei uns?”, fragte der zweite.
“Wo er jetzt wohl ist?”,  wunderte sich der dritte.


Keiner wusste eine Antwort. Sie standen vor einem Rätsel. Schließlich berief der Älteste der Käfer eine Versammlung ein. “Ich habe eine Idee”, sagte er. “Der Nächste, der von uns den Teichrosenstängel emporklettert, muss versprechen, dass er zurückkommt, und uns erzählen, wohin er gegangen ist und warum.” “Wir versprechen es”, sagten alle feierlich.

 

Nicht lange danach an einem Frühlingstag bemerkte genau der Wasserkäfer, der den Vorschlag gemacht hatte, dass er dabei war, den Teichrosenstängel emporzuklettern. Höher und immer höher kletterte er. Und dann, noch bevor er wusste, was ihm geschah, durchbrach er die Wasseroberfläche und fiel auf ein großes, grünes Teichrosenblatt.

 

Als der Wasserkäfer wieder zu sich kam, blickte er verwundert um sich. Er konnte nicht glauben, was er da sah. Alles war ganz anders und auch sein Körper schien auf merkwürdige Art verändert. Als er ihn neugierig zu betrachten begann, fiel sein Blick auf vier glitzernde Flügel und einen langen Hinterleib, die nun anscheinend zu ihm gehörten. Noch während er sich über seine ungewohnte Form wunderte, spürte er ein Drängen, die Flügel zu bewegen. Er gab dem Drängen nach, bewegte seine Flügel – und plötzlich, ohne zu wissen wie, befand er sich in der Luft.

 

Der Wasserkäfer war eine Libelle geworden. Auf und ab, in engen und großen Kreisen, bewegte sich die neugeborene Libelle durch die Luft. Sie fühlte sich wunderbar in diesem so ganz andersartigen Element. Nach einiger Zeit ließ sie sich auf einem Blatt zum Ausruhen nieder.

 

In diesem Moment sah die Libelle hinunter ins Wasser. Und da waren ihre alten Freunde, die anderen Wasserkäfer, die hin und her liefen am Boden des Teiches. Jetzt erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen.

 

Ohne lange zu überlegen, stürzte sich die Libelle hinab, um ihren alten Freunden zu berichten. Aber sie prallte an der Oberfläche des Wasser ab.

“Ich kann nicht zurück”, sagte sie traurig. “Zwar habe ich es versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Und selbst wenn ich zurückkönnte, kein einziger meiner Freunde würde mich in meinem neuen Körper erkennen.”


Und nach einigem Nachdenken wurde ihr klar: “Ich muss wohl warten, bis sie ebenfalls Libellen geworden sind. Dann wissen sie selbst, was mir widerfahren ist und wohin ich gegangen bin.”

 

Und damit flog die Libelle glücklich empor, in ihre wunderbare neue Welt aus Licht und Luft.


Verfasser unbekannt


 

Herzliche Grüße

 

Cornelia Pöhlitz und das Achorteam

 

  

Fotos: Sophia von Wächter und Cornelia Pöhlitz